ausrauben, ihre Weiber schänden und ihre Kinder davonschleppen werden. Aber zu langen Gesprächen ist keine Zeit. Noch /
fallen die russischen Granaten und Schrapellen [recte Schrapnelle] über die Stadt her, und in der gegen Osten gelegenen /
Kasernenvorstadt knattern die Gewehrschüsse des Straßenkampfes. Wagen mit Verwundeten /
fahren vorüber. In der Tiefe einer langen Gasse beginnt ein großes Gebäude zu brennen. Das sieht /
aus wie ganz unwirklich aus und erinnert an eine geschickt gemachte Theaterszenerie.
 
Am südöstlichen Ende der Stadt liegen die Russenleichen überall auf den Straßen umher. Im tief eingeschnittenen /
Hohlweg der Eisenbahn graben sich unsere Schwarmlinien über den Dämmen. Die erste Schwarmlinie /
schiebt sich über die Böschung hinaus. Drüben krachen aus den Fenstern und Dachluken der Kasernen /
die feindlichen Schüsse heraus. Aber man merkt: Die Russen verzweifeln schon an dem Glauben, sich halten zu können. /
Sie stecken schon die Magazine in Brand. Aus vielen Dächern wirbelt es schon braun und schwarz heraus, /
aber in und hinter den steinernen Kasernen leistet der Feind einen erbitterten Widerstand.
 
Die Unseren führen 2 große Minenwerfer ins Gefecht. Der erste Schuss dröhnt. Man sieht /
die große stählerne Bahn hinaufschweben gegen den Himmel, sieht sich sie gleich einer schwarzen /
Sternschnuppe wieder fallen, mitten hinein in einen Kasernenhof. Ein paar Sekunden, dann eine /
furchtbare Detonation. Die Erde zittert. Und drüben fliegt ein schwarzes Ungeheuer von Rauch und Schutt /
in die Luft empor und flattert nach allen Seiten auseinander.
 
Eine Patrouille von der Schleswig-Holsteiner und Hamburger rückt in die Kasernen/
gasse hinein und die erste Schwarmreihe besetzt die den Russen abgerungenen Häuser. Wo man /
hinguckt, sieht man einen gefallenen Russen liegen. Jeder lang ausgestreckt, die meisten liegen /
auf dem Gesicht, mit vorgestreckten Armen, und das Gewehr liegt ein paar Meter vor ihren Händen.