Franziska zu Reventlow - Schwabinger Bohème-Ikone

Franziska zu Reventlow wird am 18. Mai 1871 im Schloss vor Husum in eine wohlhabende Familie geboren. Nach einer Ausbildung zur Lehrerin zieht sie im Alter von 22 Jahren gegen den Willen ihrer Eltern nach München, um eine Malschule zu besuchen. Erste Texte erscheinen in der Zeitschrift „Simplicissimus“. Nachdem ihre Ehe mit dem Hamburger Gerichtsassessor Walter Lübcke nicht zuletzt wegen ihrer Untreue zerbricht, wird sie schwanger und zieht ihren Sohn Rolf alleinerziehend auf, ohne jemals den Vater zu benennen. Den Lebensunterhalt versucht sie mit Übersetzungen für den Verlag Albert Langen zu sichern. Gleichzeitig ist sie eine der wichtigsten Gestalten der Schwabinger Bohème und in den künstlerischen Kreisen Münchens äußerst gut vernetzt – was sich auch in ihrem Briefwechsel zeigt.

In literarischen Texten und Essays setzt sich Franziska zu Reventlow mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft auseinander und kritisiert bürgerliche Ehe und christliche Moral. 1903 erscheint ihr erster Roman „Ellen Olestjerne“. 1910 zieht Franziska zu Reventlow nach Ascona, wo sie den Großteil ihres literarischen Werkes verfasst, unter anderem den Schlüsselroman „Herrn Dames Aufzeichnungen“ und „Der Geldkomplex“. Ihre Scheinehe mit dem kurländischen Baron Alexander von Rechenberg-Linten verschafft ihr kurzzeitig finanzielle Sicherheit, bis sie das Vermögen durch einen Bankenkrach verliert. Sie stirbt 1918 in Locarno mit 47 Jahren infolge eines Fahrradunfalls.

Der schriftliche Nachlass Franziska zu Reventlows gelangte ab 1978 aus Familienbesitz in das Literaturarchiv der Monacensia. Er umfasst Briefe, Tagebücher, Manuskripte, Fotos und weitere Dokumente.
Unter den Briefen sind sowohl solche an als auch von Franziska zu Reventlow, da sie ihre Schreiben teils von den Empfängern zurückforderte. Am umfangreichsten sind die überlieferten Korrespondenzen mit ihrer Jugendliebe Johannes Emanuel Fehling, dem Archäologen Albert Hentschel, ihrer Familie, dem Psychiater Hans Walter Gruhle und dem Maler Bohdan von Suchocki.
Die Tagebücher stammen überwiegend aus Reventlows Münchner Zeit, das früheste thematisiert jedoch ihren Aufenthalt im Altenburger Mädchenpensionat Magdalenenstift.
Unter den Dokumenten befinden sich Zeugnisse, Verträge und Reventlows russischer Reisepass neben Alltagsschriftstücken.

Der Bestand wurde 2025 digitalisiert. Gemeinfreie Archivalien sind hier auf www.monacensia-digital.de einsehbar und können ohne weiteres Einverständnis der Monacensia und gebührenfrei nachgenutzt werden. Urheberrechtlich noch geschützte Archivalien können an einem PC im Lesesaal des Literaturarchivs konsultiert werden.



Biographische Dokumente

Briefe

Tagebücher

Manuskripte

Fotografien


Kontakt

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Maria-Theresia-Str. 23
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