Ein Kommando: Stillgestanden. Ein Ruck in allen Soldatengestalten. Die männlichen Zuschauer entblößen /
die Köpfe und die Hälse aller Frauen und Kinder recken sich. Hindenburg kommt angefahren, mit dem Marschallstab. /
Die Offiziere begrüßen ihn und begleiten ihn zum Denkmal. Die Musik. Die tausend singenden Stimmen. Dann /
ein Männerchor, dessen Klänge unter dem wehenden Herbstwind etwas wundersam Gedämpftes und Heiliges bekommen. /
Der evangelische Priester spricht. Dann der katholische Feldprediger. Der Kommandeur der Landwehr, die damals /
an jenem blutigen Tage so todesmutig kämpfte, bringt das Hurra auf den Kaiser aus. „Heil dir /
im Siegeskranz!“ Und „Deutschland, Deutschland über alles.“ Hindenburg plaudert mit dem jungen Bildhauer, der /
das Denkmal geschaffen hat und als Soldat eingereiht ist unter die Landstürmer. Dann drängen /
alle Zuschauer, Bürger und Soldaten, Männer, Frauen und Kinder gegen die Sandstraße hin, auf der der /
Wagen des Feldmarschalls vorgefahren ist. Ein jubelndes Hoch von vielen Hundert Stimmen, und lautlos /
gleitet der Wagen über den linden Sand davon. Während die Menschengruppe bei der Denkmalstätte sich schon /
zu lösen und zu zerstreuen beginnt, seh' ich neben dem Birkenzaun eine junge, blonde, blasse /
Frau sitzen, mit einem Kindchen auf dem Schoß. Ich muss sie genau betrachten, weiß nicht, warum. /
Und da sieht sie ruhig und stolz zu mir auf und sagt mit leiser Stimme: „Der Meine ist auch dabei /
gewesen!“ Und dreht das Gesicht hinüber zu dem schönen Grabhügel.
 
Um 1 Uhr bin ich wieder in der Stadt, wieder in der kleinen Villa, vor der /
die beiden Posten stehen. An der Tafel bekomme ich den Platz zur Linken des Feldmarschalls. /
Schilderung seiner Art zu sprechen. „Heute bei der Fahrt zur Seehöhe habe ich etwas sehr /
Schönes gesehen. Auf einem Acker gingen 2 Pflüge, hinter jedem Pflug eine Frau. Da fühlt /
man Ehrfurcht.“