Weiter, weiter! Eine heiße Arbeit ist es für die Unseren. Einer von den Hamburgern sagt zu mir: /
„Gestern hat der liebe Gott zu früh Abend werden lassen. Wir haben nichts mehr gesehen, und da sind /
die Ludersch wieder die Häuser hereingekrochen. Nun haben wir schon den ganzen Tag Arbeit mit diesen russischen Kaninchen.“
 
Immer höher wachsen die Flammen der brennenden Gebäude. Ein 300 Meter langen [recte langes] Flammen/
gewoge und Rauchgewirbel. Hinter dieser Feuerhecke dröhnen die Explosionen unserer Minen, und immer /
wilder knattert im Flammengewoge die platzende Munition. Man kann nimmer unterscheiden, was Gefecht, was Sprengung /
im Feuer ist.
 
Es hat zu regnen begonnen, und ein fauchender Sturmwind bläst in die Gluten. Rauch und Flammen schlagen über die Straße hin. Der verwundete Russe, der sich hinter dem Rasenbuckel /
deckte, und der’s in diesem Qualm und in dieser sengenden Hitze nimmer auszuhalten vermag, streckt /
den kappenlosen Kopf über den Graswall heraus und bettelt mit beiden Händen. Was er schreit, ist nicht zu /
verstehen; man merkt nur: er bittet um Hilfe. Da sagen drei von den Schleswig-Holsteinern gleichzeitig: /
„Den müssen wir holen, ist‘s doch ‘n Mensch!“ Sie stellen die Gewehre fort und schreiten los. Nun /
bringen sie ihn auf 2 Stangen auf aus dem Rauch herausgetragen. Der Russe hat ein leichenblasses Gesicht; /
aber ganz ruhig ist er, und heiße Dankbarkeit glänzt in seinen Augen. Der Regen, der über ihn herfällt, scheint /
ihn zu erquicken; er schlürft mit der Zunge die Nässe ein, die ihm über die Lippen rinnt.
 
Auch aus einer anderen Gasse kommt ein Glückskleeblatt von Barmherzigen heraus. 4 Hamburger /
tragen in einer Wolldecke eine alte kranke Frau, in deren Stube die Russen hineinschossen. /
Und zwischen den Kampfbildern eine hastige Wallfahrt der armen Leute, die mit ihrem Säcklein voll /
Habe vor dem russischen Kugelregen und vor dem nach allen Seiten umherspringenden Feuer flüchten.
 
Unsere Reserven klettern in langen Zügen durch den tiefen Graben des Bahnsteiges. /
Prachtvoll ist es anzusehen, wie diese langen feldgrauen Männerschlangen sich über das